Jetzt im Hochsommer erleben wir es wieder häufig. Gerade war es noch
wunderbar sonnig und warm. Doch plötzlich verdunkeln dicke Wolken den Himmel.
Der Wind frischt auf und bald fängt es kräftig an zu regnen oder sogar zu hageln.
Blitze zucken zu Boden und der Donner grollt über das Land, dass einem angst
und bange wird. Doch schon nach einigen Augenblicken ist der Spuk meist
vorbei. Das Sommergewitter ist weitergezogen.
Wie entsteht ein Sommergewitter?
Damit ein Gewitter überhaupt entstehen kann, muss sehr viel Energie und Feuchtigkeit in der
Atmosphäre vorhanden sein. Gewitter treten daher am häufigsten an richtig unangenehm schwülen
und heißen Tagen auf. Die Sonne heizt im Sommer schon früh morgens den Erdboden auf und
läßt Feuchtigkeit aus dem Boden oder aus Gewässern verdunsten.
Die Luftschicht über dem Erdboden mit der aus dem Boden aufgenommenen Feuchtigkeit wird dadurch erwärmt und steigt
wie ein unsichtbarer Heißluftballon in die Höhe. Beim Aufsteigen kühlt sich die Luft ab.
Die kalte Luft kann nicht mehr so viel Feuchtigkeit speichern und es bilden sich die ersten Wolken.
Zuerst ziehen nur einige kleine Schönwetterwolken vorüber. Doch im Laufe des Tages wächst die
harmlose Wolke immer mehr und sieht dann ungefähr so aus wie ein Blumenkohl.
Foto: Eine große Blumenkohlwolke - die Vorstufe einer Gewitterwolke
Im Laufe des Tages kann sich daraus eine riesige Gewitterwolke - ein sogenannter Cumulonimbus - entwickeln.
Diese kann sich bis zum oberen Ende der Troposphäre in 10 bis 12 Kilometer Höhe ausdehnen.
Die Troposphäre ist die unterste Atmosphärenschicht, die wir uns schon einmal genauer im Mai angesehen hatten.
Am oberen Rand der Wolke wehen kräftige Winde, die die Wolke auseinanderzupfen. Sie sieht
dann aus wie ein Amboss. Ein Amboss ist eigentlich ein großer Block aus Metall, auf dem ein
Schmied zum Beispiel Hufeisen und Metallwerkzeuge herstellt.
Foto: Eine ambossförmige Gewitterwolke hat sich gebildet
Dicke Regentropfen und Hagelkörner entstehen
In der oberen Hälfte des Cumulonimbus ist es sehr kalt und das Wasser gefriert zu kleinen Eiskristallen.
Kräftige aufsteigende und absteigende Winde sorgen dafür, dass die Eis- und Wasserteilchen nicht wieder
zu Boden fallen, dabei kräftig durcheinandergewirbelt werden und immer wieder schmelzen und gefrieren.
Wenn zwei Eiskristalle oder Wassertropfen zusammenstoßen, verbinden sie sich miteinander zu einem
größeren Gebilde. Nach mehreren Zusammenstößen hat sich schon ein dicker Tropfen oder ein Hagelkorn gebildet.
Irgendwann sind die Tropfen und Hagelkörner so groß geworden, dass auch die kräftige Aufwinde sie nicht
mehr mitreißen können. Sie fallen zu Boden. Es beginnt zu regnen oder hageln und wir Menschen am Erdboden
suchen Schutz im Haus oder unter einem Regenschirm.
Abbildung: Schematische Darstellung das Inneren einer Gewitterwolke
Wie kommt es zu Blitz und Donner?
Foto: Ein Linienblitz sorgt für einen Ladungsausgleich
Nun passiert bei diesen Zusammenstößen der Tropfen und Eisteilchen aber noch etwas. Sicher hast du schon
mal einen kleinen elektrischen Schlag bekommen, wenn du zuerst mit Turnschuhen über einen Teppichboden
gelaufen bist und danach ein Treppengeländer angefasst oder jemandem die Hand gegeben hast. Das selbe
nur in viel größerem Maßstab passiert in einer Gewitterwolke. Es ist die sogenannte Reibungselektrizität.
Die Regentropfen und Hagelkörner übertragen bei ihren Zusammenstößen elektrische Ladung. Dies geschieht
dadurch, dass z.B. ein Hagelkorn einem Regentropfen winzige Teilchen - sogenannte Elektronen - übergibt.
Der obere Teil der Wolke mit den Eisteilchen, die Elektronen abgegeben haben, ist demzufolge positiv geladen
und der untere Teil mit den Regentropfen, die nun mehr Elektronen haben, ist negativ geladen. Auch der
Erdboden hat übrigens immer positive oder negative Ladung. Die Natur ist immer bestrebt Unterschiede
auszugleichen. Sie mischt warme und kalte Luft oder gleicht Luftdruckunterschiede durch Luftbewegungen aus.
Und auch Ladungsunterschiede bleiben nicht lange erhalten. Wenn der Unterschied groß genug ist, fließen
die Elektronen in die Richtung, wo weniger von ihnen sind. Das machen sie aber nicht lautlos und im
Dunkeln, sondern in einem gewaltigen Lichtblitz und mit einem lauten Knall! Das Gewitter ist in vollem Gange!
Der Blitz
Der Blitz besteht also aus unvorstellbar vielen Elektronen, die sich ihren Weg durch die Luft suchen
um negative und positive Ladungen auszugleichen. Das sind in einem Gewitter so viele, dass man
davon einen ganzen Staat ein Jahr lang mit Strom versorgen könnte, wenn man die Elektronen
in nutzbare Energie umwandeln und speichern könnte. Das wird aber vermutlich niemals gelingen.
Weil die Elektronen sozusagen nicht nur laut und hell sind sondern auch noch faul, suchen sie
sich einen möglichst kurzen Weg und schlagen daher bevorzugt in hohe Gebäude oder Bäume ein!
Dies geht meist nicht direkt und daher sieht der Blitz zackig und verzweigt aus. Die allermeisten
Blitzentladungen finden übrigens zwischen den Wolken selbst statt und erreichen niemals den Erdboden!
Foto: Eine weit verzweigter Linienblitz zwischen Wolke und Erde
Der Donner
Der Donner ist nur eine Begleiterscheinung. Wieder kommt hier die Reibung mit ins Spiel.
Wenn du die Handflächen schnell aneinanderreibst, werden sie warm. Im viel größerem Maßstab
passiert dies auch in dem sogenannten Blitzkanal, durch den sich die Elektronen bewegen.
Die umgebende Luft wird dabei durch die Reibung mit den Elektronen so stark erhitzt,
dass sie sich explosionsartig ausdehnt. Ein lauter Knall ist die Folge, den man in
weiterer Entfernung als Donnergrollen wahrnimmt.
Mit Hilfe des Donners kann man übrigens feststellen, wie weit ein Gewitter entfernt ist.
Mit einer Stoppuhr misst du die Zeit, die zwischen Blitz und Donner vergeht. Die Sekundenzahl
teilst du durch 3 und erhälst als Ergebnis die Entfernung des Gewitters in Kilometern.
Beispiel: Ist der Donner 6 Sekunden nach dem Blitz zu hören, ist das Gewitter noch 6 : 3 = 2 Kilometer entfernt.
Was tun bei Gewitter?
Muss man nun Angst vor Gewittern haben? Nein! Angst braucht man nicht zu haben, aber man sollte
auch nicht leichtsinnig sein! Schwimmen im Freibad oder in einem See bei Blitz und Donner sollte
man ebensowenig wie auf freiem Feld spazieren gehen oder Fahrrad fahren! Auch duschen und
telefonieren sollte man während eines Gewitters lieber vermeiden. Und ganz Vorsichtige ziehen
bei Computer und Fernseher den Stecker und das Antennenkabel ab.
Wenn nämlich wirklich mal ein Blitz in der Nähe einschlägt, dann sausen die Elektronen auch
durch die Stromleitungen und Kabel unter der Erde. Elektrische Geräte können dadurch beschädigt werden.
Im Auto, Zug oder Flugzeug dagegen ist man absolut sicher, weil man von einem Metallkäfig - dem sogenannten
Faradayschen Käfig - umgeben ist, der Blitzeinschläge ableiten würde. Und auch in geschlossenen
Gebäuden ist man gut geschützt. Oft sind dafür auf Gebäuden extra Blitzableiter angebracht.
Wenn du wirklich mal auf einer Wanderung von einem Gewitter überrascht wirst, dann solltest du
dich auf keinen Fall unter einem Baum unterstellen oder dich flach auf den Boden zu legen. Besser
ist es in dem Fall sich auf dem freien Feld hinzuhocken und darauf zu achten, dass die Beine
möglichst nah beieinander stehen.
Zum Glück sind Sommergewitter meist schon nach einer halben Stunde vorbei und die Sonne kommt wieder hervor!